Interview: Hubertus Hasse zu virtuellen Messen

Hamm l 06.08.2021

Anfang 2021 realisierte die Synflex Elektro GmbH, ein Produzent von Leitenden- und Isolierenden Materialien für den Bau von Elektromotoren, Transformatoren und Generatoren, zusammen mit der Vrtual X GmbH die Virtual Coil Show, die erste virtuelle Messe der Winding Industrie.

In einem Experteninterview haben wir mit dem Geschäftsführer der Synflex Elektro GmbH, Hubertus Hasse, über das Thema „virtuelle Messen“ gesprochen. Einen Auszug aus dem Interview finden Sie im folgenden Text:

 

Herr Hasse, Sie haben vor kurzen eine virtuelle Messe für Ihre gesamte Branche realisiert. Warum?

Wir haben letztes Jahr festgestellt, dass keiner der herkömmlichen Messeveranstalter unserer Branche, als es mit der Corona-Pandemie losging, ein alternatives Angebot auf den Markt gebracht hat. Zusammen mit einem befreundeten Unternehmen habe ich dann dieses Thema für unsere Branche gepusht und gesagt, dass wir eine Plattform schaffen müssen, die die Branche wieder zusammenbringt. Anschließend haben wir in kürzester Zeit eine virtuelle Messe auf die Beine gestellt, und dass ohne wirklich Vorkenntnisse von der Organisation einer Messe zu haben.

 

Was sind eigentlich digitale Messen und was ist deren Aufgabe?

Digitale Messen sollen weltweit sehr einfach und intuitiv vernetzen, indem Sie zum Beispiel Videokonferenzen sofort und ohne technische Probleme starten können. Zudem sollten digitale Messen keinen großen Aufwand erzeugen. Aufwand in Bezug auf Reisekosten, Standkosten sowie allen weiteren Kosten. Gleichzeitig sollten sie, wie ein physisches Event, die Möglichkeit bieten, neue Kontakte zu schließen und sich über Produkte, als auch über Produktpräsentationen weltweit, ohne großen Aufwand, informieren zu können.

 

Kann man einen Vergleich ziehen, wie erfolgreich Sie in der Vergangenheit auf physischen Messen waren mit der jetzt von Ihnen durchgeführten virtuellen Messe?

Es gibt sehr viele Ebenen die man hier betrachten muss. Viele digitale Messen wurden aus dem Boden gestampft und waren meiner Meinung nach konzeptionell nicht zu Ende gedacht. Gleichzeitig war die Erwartungshaltung der Aussteller enorm groß oder besser gesagt man hat es sich einfacher vorgestellt. Auch bei einer virtuellen Messe müssen sie organisieren, wer den Stand besetzt, wer den Welcome-Desk macht und so weiter. Die Vorbereitung und das Auseinandersetzen mit einer virtuellen Messe hat im Vorlauf der Veranstaltung häufig nicht, sehr kurzfristig oder nur bedingt stattgefunden. Das gilt für Aussteller als auch für Besucher. Wenn wir zurück zum Vergleich zwischen analog und digital kommen, dann sieht man, dass man von noch völlig unterschiedlichen Leveln ausgehen muss.

 

Ist die Umsetzung eines physischen Messestands aufwendiger und kostspieliger als die Umsetzung eines virtuellen Messestands?

Das hängt natürlich ganz von der Messe ab. Bei einer großen internationalen Messezahlen Sie natürlich mehr pro Quadratmeter als bei einer Nischenmesse. Trotzdem würde ich sagen, Sie haben circa 20% von den Kosten, die Sie sonst auf einer physischen Messe anfallen würden.

 

Trotzdem sagen Sie, dass bei einer virtuellen Messe genauso viele oder sogar mehr Leads erreicht werden können, als bei einer physischen Messe?

Potenziell ja, wenn die Besucher aktiv den Kontakt suchen. Allerdings haben wir beobachtet, dass die Besuchsanzahl der Messe hoch war, es aber vermieden wurde, in Kontakt zu treten. Zum Beispiel waren Besucher, die einen Messestand besucht haben, direkt im Empfangstresen in einer Videokonferenz. Einige waren von dem Kontakt so erschrocken, dass sie sofort wieder aus der Konferenz gegangen sind.

 

Wie sehen Sie die Zukunft in Bezug auf rein digitale Messen. Wird es sie auch nach der Corona-Krise noch geben?

Ich glaube ja, aber sehr spezialisiert und eher in Kombination mit einem Symposium. Das wir drei Tage hinter dem Rechner sitzen, das glaube ich nicht.

Es geht eher in Richtung hybrider Events. Hybride Events bedeuten für mich, dass sie in der physischen Welt eine Präsenz haben und gleichzeitig eine Virtualisierung erleben. Das fängt mit Produktions-rundgängen an, die Sie über Virtual Reality erleben können. bis hin zu Vernetzung an den Messeständen über Videokonferenzen mit Spezialisten oder Technikern aus der ganzen Welt, die sonst eingeflogen worden wären. Die Relevanz von digitalen Formaten wird steigen, weil erkennbar ist, dass im Vergleich sehr viel Geld eingespart werden konnte. Auch die Relevanz von Nachhaltigkeit und CO2-Footprint wird massiv zunehmen. Die Folgen ist, dass man nicht für zwei Tage durch die Weltgeschichte reist, sondern sich über eine Videokonferenz dazuschaltet. In der Pflicht sehe ich da vor allem die Messeveranstalter und Messebauer, die für eine entsprechende Infrastruktur sorgen müssen, die nicht überteuert ist und die Möglichkeit bietet, in eine virtuelle oder hybride Welt einzutauchen.

 

Informationen zu Hubertus Hasse

Hubertus Hasse ist Geschäftsführender Gesellschafter der Synflex Elektro GmbH. Das Unternehmen ist Produzent von Leitenden- und Isolierenden Materialien für den Bau von Elektromotoren, Transformatoren und Generatoren. Anfang 2021 realisierte das Unternehmen zusammen mit der Vrtual X GmbH die Virtual Coil Show, die erste virtuelle Messe der Winding Industrie.